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Das Frauenmuseum Hittisau erhält den Österreichischen Museumspreis 2017!
Es handelt sich um die höchste Auszeichnung für Museen in Österreich.Zum Artikel


Trailer Frauenmuseum Hittisau_Christine Knoblauch


Aktuelle Veranstaltungen

Eine grausame Tradition. Praxis und Folgen der Weiblichen Genitalverstümmelung / Genitalbeschneidung

Film und Podiumsgespräch
Freitag, 22. September 2017 | 19.30 Uhr

Im Rahmen der Ausstellung „Maasai Baumeisterinnen aus Ololosokwan“ veranstaltet das Frauenmuseum Hittisau am 22. September 2017 einen Schwerpunktabend zur Weiblichen Genitalverstümmelung (engl.: Female Genital Mutilation, FGM).

Folgender Dokumentarfilm wird gezeigt:

        THE CUT. Ein Film von Beryl Magoko

        UG/KE 2012, 43 min
        Englisch, Kiswahili, Kikuria
        Deutschsprachige Version

Im Anschluss findet ein Podiumsgespräch mit folgenden Teilnehmerinnen statt:

* Beryl Magoko, Filmemacherin  (Kenia)
* Dr.in Alexandra Ciresa-König, Gynäkologin an der Uniklinik Innsbruck mit Schwerpunkt Migrationsspezifischer Gynäkologie (Österreich)
* Yasmin Abdullah, Zeitzeugin und Betroffene (Somalia)
* Cornelia Faißt, Dozentin an der Architekturfakultät der Universität Liechtenstein und Kuratorin der Ausstellung (Österreich)
* Andreas Frowein, Produzent und Kameramann

Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt
(Übersetzung Beryl Magoko: Andreas Frowein).

The cut_Magoko II   Filmstill aus THE CUT von Beryl Magoko

Wie für unzählige Frauen weltweit ist auch für die meisten Maasai-Frauen die Genitalverstümmelung bittere Realität.. Bei der von den Maasai Emorata genannten Praxis geht es um die teilweise oder vollständige Entfernung von Klitoris und der inneren Schamlippen. Genitalverstümmelung geschieht in vielen afrikanischen Ländern, in Teilen Asiens sowie in jene Länder, in die Menschen, die in dieser Tradition stehen, migrieren.

Laut Schätzungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) sind weltweit bis zu 200 Millionen Frauen von dieser Praxis betroffen. Jährlich werden laut UNICEF mehr als drei Millionen Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt - alle 11 Sekunden eine. Allein in Afrika sind jedes Jahr bis zu drei Millionen Mädchen davon bedroht.

In Österreich sind laut einer Studie des „Europäischen Instituts für Geschlechter-gerechtigkeit“ (EIGE) etwa 2.000 Frauen beschnitten und derzeit um die 8.000 Frauen davon bedroht. Die Dunkelziffer liegt höher. Seit 2001 ist die FGM in Österreich gesetzlich verboten. Doch viele Familien umgehen dieses Verbot, in dem sie die Mädchen in den Schulferien in die Heimatländer schicken, um sie dort beschneiden zu lassen.

Die weibliche Genitalverstümmelung existiert seit Jahrtausenden als traditionelles Ritual. Sie ist eine schwerwiegende Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit. Dabei werden die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane teilweise oder vollständig entfernt. Diese Praktik wird meist aus der Tradition heraus begründet, ist mit starken Schmerzen verbunden, kann schwere körperliche und psychische Schäden verursachen und führt nicht selten zum Tod.
Sie birgt eine hohes Blutungs- und Infektionsrisiko. Durch das mehrmalige Verwenden ungereinigter Messer ist das Risiko einer HIV-Infektion besonders groß. Eines der massivsten physischen Probleme stellt die Geburt dar. Sie ist für Frau und Kind hochriskant. Mit der Beschneidung geht oft eine Traumatisierung der Frauen einher. Die Vernarbungen machen das Urinieren und den Geschlechtsakt oft äußerst schmerzhaft.

Im Umgang mit betroffenen Frauen wird aus Rücksichtnahme der Begriff „weibliche Genitalbeschneidung“ verwendet.



The Cut

Die Dokumentation entstand als Diplomprojekt der kenianischen Filmstudentin Beryl Magoko an der Universität von Kampala in Uganda. Produzent des Filmes ist der Kameramann und Autor Andreas Frowein, der dort als Dozent lehrt.
Der Film dokumentiert kommentarlos und ohne Distanz die schmerzhafte Praxis.
Beryl Magoko sagt zu ihrem Film: „Ich selbst wurde beschnitten. Ich wollte die Geschichte aus einer anderen Perspektive darstellen. Ich wollte mehr Menschen erreichen, damit wir zusammen diesen Mädchen helfen können, den Mädchen, die kurz vor der Beschneidung stehen. Es gibt einen enormen Druck, von den Eltern, von der Gesellschaft.“
7. Internationaler Kenia Film Festival - Preis als bester Dokumentarfilm 2012

Die Emorata bei den Maasai

In der Maasai-Kultur findet die Emorata aus folgenden Gründen statt:

* Übergangsritual vom Mädchen zur Frau
* Akzeptanz und Prestige in der Gemeinde
* Bestärkung der traditionellen Rolle als Mutter und Ehefrau
* Angebliche Prävention von Geschlechtskrankheiten
* Reinheit: beschnittene Frauen gelten als besonders reine und gute Frauen
* Prostitution: Frauen, die nicht beschnitten sind, werden als Prostituierte angesehen.

Die Zeremonie
Im Rahmen eines großen Festes der gesamten Gemeinde führt die traditionelle Beschneiderin, in der Regel eine sehr erfahrene ältere Frau, die Beschneidung durch. Alle Mädchen werden am gleichen Tag beschnitten und bis vor kurzem auch mit dem gleichen Messer, dem „ormurunya“. Eine Paste, hergestellt aus Kuhdung und Milchfett wird aufgetragen, um die Blutung zu stoppen. Das Ende einer Phase der Abgeschiedenheit kennzeichnet eine Feier, bei der die Mädchen offiziell als jetzt zur Gruppe der Frauen gehörig begrüßt werden. Bis die Wunden vollständig verheilt sind, tragen die Mädchen eine traditionelle Kopfbedeckung, die signalisiert, dass sie jetzt zu den Frauen gehören.

Rechtsstatus
Die weibliche Beschneidung ist in Tansania seit 1998 verboten. Gesetzliche Strafen für die Beschneidung von Mädchen unter 18 Jahren reichen von fünf bis fünfzehn Jahren Haft und/oder einer Geldstrafe von bis zu 300.000 TZS (Euro 125.-). Strafrechtliche Verfolgungen sind aber selten. Es wird davon ausgegangen, dass 70% der Maasai-Mädchen beschnitten sind.

Ein kleiner Beitrag
Alle ExpertInnen sind sich einig, dass der Weg aus der brutalen Praxis der Genitalverstümmelung über die Bildung von Frauen und Mädchen führt. Im Rahmen der Ausstellung hat das Frauenmuseum Hittisau einerseits aktiv Spenden gesammelt. Anderseits werden am letzten Tag der Ausstellung – am 8. Oktober 2017, 17 Uhr – die zehn von Bregenzerwälder Handwerkerinnen gestalteten Truhen in der Ausstellung versteigert. Der Gesamterlös kommt dem Ausbildungsprojekt für Frauen aus Ololosokwan, SIDAI, zugute.

Initiiert durch Aufklärungskampagnen in den Gemeinden und Schulen entwickelten einige Maasai-Gemeinden alternative Zeremonien ohne den Akt der Beschneidung.