FRAUEN UND GEWALT
Schwerpunkt 2011
Gewalt gegen Frauen hat zahlreiche Gesichter: Sie kann auf physischer, sexueller, psychischer, ökonomischer oder sozialer Ebene ausgeübt werden. Ist die Gewalt an Frauen personaler Natur, wird sie von einem handelnden Täter ausgeübt. Gewalt kann aber auch struktureller Natur sein. Sie beschränkt sich nicht auf eine handelnde Person, sondern ist vielmehr Teil eines Gesellschaftssystems. Sie mündet in ungleiche Machtverhältnisse und hat eine erschwerte Lebenssituation von Frauen zur Folge. Am häufigsten erleben Frauen Gewalt in ihrer Familie, 90 Prozent aller Gewalttaten werden nach Schätzungen der Polizei in der Familie und im sozialen Nahraum ausgeübt. Die Dunkelziffer bei familiärer Gewalt ist sehr hoch, Forschungsergebnisse weisen jedoch darauf hin, dass jede fünfte Frau bereits Gewalt in einer Beziehung erlebt hat. Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund sind darüber hinaus auch von einer spezifischen Form von häuslicher Gewalt betroffen - der traditionsbedingten Gewalt.
Bei bewaffneten Konflikten werden Frauen häufig zu Opfern von Gewalt. Weltweit werden Frauen in Kriegen und Bürgerkriegen häufig massenweise und systematisch vergewaltigt (seit 1998 wird sexuelle Gewalt vom Internationalen Strafgerichtshof, wenn sie mit der Absicht erfolgt, eine bestimmte Bevölkerungsgruppe ganz oder teilweise zu zerstören).
Das Thema ist also äußerst komplex. Ohne den Anspruch, ein lückenloses Bild zeichnen zu wollen, unternimmt das Frauenmuseum HIttisau – gemeinsam mit dem Institut für Sozialdienste Vorarlberg – den Versuch, im Rahmen des Schwerpunkts 2011 unterschiedliche Aspekte dieses brisanten Themenkomplexes zur Sprache zu bringen und zu analysieren.
Die Hohenemser Künstlerin Mariella Scherling Elia reflektiert in einer Retropektive ihre langjährige künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema. Die britische Fotografin Jenny Matthews hat weltweit das Leben und die Überlebensstrategien von Frauen während und nach bewaffneten Konflikten dokumentiert. Darüber hinaus zeigt das Frauenmuseum die vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser konzipierte Ausstellung „Silent Witnesses“, die Opfern häuslicher Gewalt gewidmet ist. In einer in Kooperation mit dem IFS organisierten Veranstaltungsreihe kommen die Autorinnen Michéle Minelli und Erika Kronabitter zu Wort, die das Thema der häuslichen Gewalt literarisch aufgearbeitet haben, sowie Wissenschafterinnen, die sich z.B. mit Vergewaltigungsmythen (Barbara Krahé) oder dem Phänomen der „Falschen Stalkingopfer“ (Justine Glaz-Ocik) auseinandersetzen. Auch wird ein Schnupperkurs in Selbstverteidigung angeboten.
Das Programm wird durch eine kurze Filmreihe abgerundet, die in Kooperation mit dem Spielboden in Dornbirn veranstaltet wird. Hier werden Filme gezeigt, die sich mit den Themen häusliche Gewalt, Frauenhandel und Vergewaltigung im Krieg auseinandersetzen.
Gewalt an Frauen ist ein Verbrechen gegen die Menschenrechte.
Gesamtkonzept: Stefania Pitscheider Soraperra


