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Ich bin daheim. Die Künstlerin A.M. Jehle (1937-2000)

Ich bin daheim. Die Künstlerin A.M. Jehle (1937-2000)

23. November 2013 bis 11. Mai 2014

Anne-Marie Jehle (*1937 in Feldkirch, +2000 in Vaduz) war Objekt-, Konzept- und Installationskünstlerin, Zeichnerin, Fotografin und Malerin. In ihrem umfangreichen und komplexen Werk trat sie gesellschaftskritisch an Aspekte des Alltags heran und reflektierte Phänomene der Macht. Sie setzte sich intensiv mit Identität, Geschlechtergerechtigkeit und Rollenbildern auseinander, mit dem Privaten als Kernbereich menschlicher Existenz und dem damit verwobenen weiblichen Alltag.

A. M. Jehle – um Determinierungen und Projektionen vorzubeugen signierte sie geschlechtsneutral – war eine präzise Beobachterin des traditionell katholisch-konservativen Umfelds in ihrer Heimat Vorarlberg. Sie nahm sich die heiklen Themen vor, das gesellschaftlich Verdrängte und Tabuisierte ihrer Zeit, das sie künstlerisch verdichtete und humorvoll und mit bissiger Ironie offenlegte. Jehle attackierte die patriarchal geprägte Alltagssymbolik, die Rüstungsindustrie, die Geldwirtschaft oder die Heimattümelei. Ein durchgängiges Leitmotiv ist ihre sarkastische wie melancholische Auseinandersetzung mit dem Frausein im Kontext von perfektem Heim und geschmücktem Haus. Eine Frankennote erhält eine Umrandung in Häkelspitze, eine blecherne Küchenschürzenskulptur symbolisiert den statischen Platz der Frau an dem ihr zugewiesenen Ort, eine GENIE-Waschmittelpackung versieht sie mit Stilettoabsätzen, aus einem Notenständer und Fragmenten eines Plastiknadelbaums baut sie einen mit Polaroidporträts behangenen Christbaum.

In A.M.  Jehle äußerst interessantem Œuvre finden sich Referenzen zu Dada und Surrealismus. Mit den VertreterInnen des Nouveau Réalisme und der Fluxusbewegung stand sie schon sehr früh in Verbindung. „Jehles Arbeiten kennzeichnet ein typisches Moment, das sie mit vielen Künstlerinnen gemeinsam hat, nämlich das Sichtbarmachen einer Ambivalenz zwischen Aufbruch und Verharren, zwischen Zeigen und Verbergen, zwischen Kommunikation und Nichtkommunikation.“ (Silvia Eiblmayr)

Kuratiert von Dagmar Streckel in Zusammenarbeit mit Stefania Pitscheider Soraperra
Ein Projekt in Kooperation mit der Anne-Marie Jehle Stiftung (Dorothea Goop-Jehle)