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SUSI WEIGEL Ich bin Ich

SUSI WEIGEL Ich bin Ich

13. Mai 2010 - 16. Jänner 2011
”Kennst du die bunten Mira-Susi-Bücher?” steht auf einem pinkfarbenen Werbeflyer des Wiener Jungbrunnen Verlags in den 60er Jahren.

Die Mira-Susi-Bücher waren eine erfolgreiche Marke mit hohem Wiedererkennungswert, entstanden aus der äußerst produktiven und langjährigen Zusammenarbeit der Schriftstellerin Mira Lobe und der Illustratorin Susi Weigel. Während Mira Lobe heute vielen Menschen ein Begriff ist, ist der Name Susi Weigel nur wenigen bekannt. Weitgehend unbekannt ist ihr Name vor allem in Vorarlberg. Dies ist umso erstaunlicher, als die Künstlerin fast vierzig Jahre lang in Bludenz lebte und die von ihr illustrierten Kinderbücher millionenfach und in unzähligen Ländern – von Südafrika über Korea, Japan, Taiwan, der Volksrepublik China, Spanien, Frankreich, Finnland bis hin zu Türkei und Israel - aufgelegt wurden. Die lebenslustige, aber öffentlichkeitsscheue Susi Weigel wurde zwar in Wien und in der Welt immer wieder durch bedeutende Preise geehrt, hierzulande wurde sie kaum wahrgenommen. Ein guter Grund für das Frauenmuseum, dessen Aufgabe es ist, das Kulturschaffen von Frauen sichtbar zu machen, ihr die nächste Sommerausstellung zu widmen.

Was braucht es, um wahrgenommen zu werden? Reicht nicht eine qualitativ hochwertige Arbeit? Hat die Tatsache, dass Susi Weigel in Vorarlberg weder wahrgenommen noch geehrt wurde mit der Tatsache zu tun, dass sie eine Frau ist? Oder damit, dass sie als Kinderbuchillustratorin in einer Sparte tätig war, die allgemein wenig Anerkennung findet? Diese Fragen stellt sich das Frauenmuseum bei der Präsentation der Ausstellung ”Ich bin ich”, die am 13. Mai 2010 eröffnet wird und die Person Susi Weigel und ihr vielfältiges Schaffen zum Thema hat. Die Exponate stammen aus dem persönlichen Nachlass von Susi Weigel. Der Nachlass befindet sich in Bludenz in Privatbesitz und wurde bisher noch nie der Öffentlichkeit präsentiert.

Illustratorin, Grafikerin, Trickfilmzeichnerin
Susi Weigel war eine äußerst produktive Künstlerin. Sie war als Illustratorin, Werbegrafikerin und Trickfilmzeichnerin tätig. Sie wurde 1914 in Proßnitz/Mähren als Tochter eines Spirituosenfabrikatenehepaars geboren. Bereits ein Jahr nach Susi Weigels Geburt übersiedelt die Familie nach Wien. Susi Weigel zeichnerisches Talent manifestiert sich früh und wird von der Familie entsprechend gefördert. Sie studiert an der Kunstgewerbeschule und an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Franz Cizek, Rodolf Larisch, Albert Paris Gütersloh, Viktor Schufinsky und Wilhelm Müller- Hofmann. Die Zeugnisse aus ihrer Studienzeit belegen durchgehend Susi Weigels großes Talent. Susi Weigel entwickelt schon frühzeitig einen sehr persönlichen, unverwechselbaren Illustrationsstil, der collagierte Elemente aus geschnittenen und gerissenen Papieren mit grafisch-linearen, oft kolorierten Zeichnungen verbindet.
Nach ihrer Ausbildung übersiedelt Susi Weigel nach Berlin, wo sie u.a. für die Tobis- Filmkunst GmbH Zeichentrickfilme herstellt. Trotz ihrer Beschäftigung bei einer Tochtergesellschaft der UFA ist die klare antifaschistische Haltung Susi Weigels mehrfach belegt. Nach Kriegsende kehrt Susi Weigel nach Österreich zurück und beginnt 1949 für die Zeitschrift ”Unsere Zeitung” (der ersten Kinderzeitung in Österreich) im Auftrag des KPÖ-nahen Globus Verlag zu arbeiten. Sie ist eine der meistbeschäftigten Zeichnerinnen der Zeitschrift und schafft im Laufe von zehn Jahren hunderte Illustrationen und diverse Titelblätter der Zeichnung. Besonders erfolgreich sind ihre Serien ”Pipsi-Maus” (Text: Friedl Hofbauer), die Geschichte einer kleinen pfiffigen Maus, die hilfreich in die Geschicke der anderen Figuren eingreift oder ”Sambo” (Text: Lilli Weber-Wehle), die Abenteuer eines kleinen farbigen Jungen auf Weltreise, der bis nach Tirol kommt.

Mira und Susi
Durch ihre Arbeit im Globus Verlag lernt Susi Weigel die Schriftstellerin Mira Lobe kennen, deren Texte sie zu illustrieren beginnt. Das Duo entwickelt eine Reihe von sehr bekannten Kinderbüchern, darunter ”Lollo”, ”Die Omama im Apfelbaum”, ”Die Geggis” , ”Das Städtchen drumherum” und – vielleicht am bekanntesten – ”Das kleine Ich bin Ich”. Allein die deutschsprachige Ausgabe dieses Kinderbuches wird bis zu Susi Weigels Tod im Jahr 1990 235.000 verkauft.

1952 heiratet Susi Weigel den Vorarlberger ÖBB-Beamten Heinrich Mair. Sie lebt mit ihm zunächst in Langen am Arlberg und später in Bludenz, wo sie bis zu ihrem Tod 1990 ansässig ist. Susi Weigel arbeitet auch während ihrer 38 Jahre in Vorarlberg mit großer Intensität an einer langen Serie von Kinderbüchern, Zeitungsillustrationen und Werbegrafiken.

1961 erhält Susi Weigel den Illustrationspreis der Stadt Wien für „Hannes und sein Bumpan“, 1964 für dasselbe Buch den Hans-Christian-Andersen-Award, 1970 den Illustrationspreis der Stadt Wien für das Buch „Das Städtchen Drumherum“. 1971 den Förderungspreis vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst. Am 2. Mai 1986 wird ihr der Berufstitel „Professor“ verliehen.

Die von Susi Weigel entwickelten Figuren und Charaktere haben das visuelle Gedächtnis von drei Generationen entscheidend geprägt. Ihre Menschlichkeit und Lebenslust spiegelt sich in vielen ihrer Sujets wider. Als Susi Weigel nach der Verleihung des Professoren-Titel gefragt wird, ob sie stolz sei, sagte sie schlicht: „Frau Professor? Ach nein, wissen Sie, ich lege auf Titel keinen großen Wert. Mir ist das Menschliche näher als jeder Titel.“