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FESTE. KÄMPFE. 100 JAHRE FRAUENTAG

FESTE. KÄMPFE. 100 JAHRE FRAUENTAG

4. September 2011 bis 11. März 2012

Eine Kooperation mit dem Johanna Dohnal Archiv und Kreisky Archiv sowie mit dem Österreichischen Museum für Volkskunde und dem Bregenzerwaldarchiv

"Den Frauen gleiches Recht!" forderten 10.000 Frauen und Männer am 19. März 1911, als sie über die Wiener Ringstraße marschierten. Das Frauenwahlrecht war die zentrale Forderung am ersten österreichischen Frauentag. Im März 2011 hat sich der Frauentag in Österreich zum 100. Mal gejährt. Ereignissen wie dem Frauentag, die mit ziviler Courage, gewaltlosem Widerstand, partizipativer Demokratie und Geschlechtergerechtigkeit assoziiert werden, gebührt ein Platz im kollektiven Gedächtnis der Republik.

Fotos, Plakate, Transparente, Filmdokumente, Abzeichen und Zeitungsberichte dokumentieren anschaulich die sehr bewegte Geschichte des Frauentags in Österreich.

Das Ausstellungskonzept ist in drei Themeninseln gegliedert:

1. Die erste Themeninsel „Gleichheit“ widmet sich den verschiedenen Ursprungsgeschichten des Frauentages sowie den sozialistischen Frauentagen zwischen 1911 und 1933 in Wien, wo erstmals mehrere tausend Menschen den Stadtraum in Anspruch genommen haben, um für das Frauenwahlrecht und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für Frauen zu demonstrieren.

2. Die zweite Themeninsel „Frieden“ befasst sich mit der inhaltlichen Konzentration der Frauentage auf den Topos Frieden. Vor allem in der Nachkriegszeit bis in die 1980er-Jahre war die Forderung nach der Sicherung einer friedlichen Gesellschaft die zentrale Botschaft an den Frauentagen.

3. Um den „Körper“ dreht sich die dritte Themeninsel.
Mit dem Aufkommen der 2. Frauenbewegung ab den 1970er-Jahren werden Diskussionen rund um den Schwangerschaftsabbruch und den Gewaltschutz für Frauen laut. So spielen auch an den
Frauentagen Strategien weiblicher Selbstbestimmung und Fragen der Körperpolitik eine wichtige
Rolle. Im Gegensatz zu den Jahrzehnten zuvor, in denen der Frauentag in erster Linie von
kommunistischen und sozialdemokratischen Frauen begangen wurde, organisierten sich
Akteurinnen zu dieser Zeit erstmals auch in autonomen Frauengruppen.


8. März

Der im sozialistischen Umfeld entstandene und 1911 erstmals begangene Internationale Frauentag war bis in die 1970er Jahre nur für die sozialistischen und kommunistischen Frauen ein Tag, an dem bei Demonstrationen und Versammlungen auf frauenpolitische Ziele aufmerksam gemacht wurde. Erst nachdem der Frauentag 1975 auch offiziell von der UNO begangen worden war und diese 1977 den 8. März als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden in ihren Kalender aufgenommen hatte, gewann der Frauentag in Österreich als Tag der  politischen Agitation für Frauenrechte über die Parteien hinaus Relevanz. Es kam zur Pluralisierung der Akteurinnen
und zur breiten Inanspruchnahme des Frauentages. In den 1970er Jahren zunächst von der autonomen Frauenbewegung als Aktionstag genutzt, beziehen sich österreichweit seit den 1980er Jahren eine Vielzahl von Frauenvereinen und Fraueninstitutionen sowie die Frauen aller politischen
Parteien in Veranstaltungen und Wortmeldungen auf den Internationalen Frauentag.


„Modell Vorarlberg“

In Vorarlberg waren die Frau als Hausfrau und Mutter und der Mann als Ernährer der Familie über Jahrzehnte dominierende Rollenbilder, Ehe und Kinder gestalteten die persönliche Lebensplanung. Von kirchlicher wie auch von politischer Seite wurden diese tradierten Ideale und Werte lange Zeit mitgefestigt; zu Beginn der 1980er Jahre etwa war der Schutz und die Förderung von Ehe und Familie Teil der Landesverfassung.
Seit beinahe zwanzig Jahren erstellt das Mitte der 1980er Jahre eingerichtete Frauenreferat der Landesregierung laufend Berichte, die die Situation der Frauen in Vorarlberg im Vergleich zu den Männern bzw. im Vergleich zu Restösterreich dokumentiert, und nicht immer sind die Ergebnisse
erfreulich. So verdienen Vorarlbergs Frauen aktuell im Österreichvergleich noch immer am Wenigsten, während die mittleren Brutto-Jahreseinkommen der Vorarlberger Männer
österreichweit zu den höchsten gehören.
Weder die bürgerliche noch die internationale sozialistische Frauenbewegung fand in Österreichs westlichstem Bundesland einen bemerkenswerten Niederschlag. Mitte der 1980er Jahre formierten sich jedoch auch in Vorarlberg frauenbewegte politische Gruppierungen. Den Bemühungen
dieser Akteurinnen um die Gleichstellung zwischen Frauen und Männern und um eine Bewusstmachung existenter Rollenbilder gilt die Aufmerksamkeit eines eigenen Ausstellungsteils.


Von der Abwesenheit eines Tages
Frauenorganisationen und weibliche Lebensweise im Bregenzerwald


Veranstaltungen zum Frauentag sind vordergründig ein Phänomen des städtisch-urbanen Raums. Im politisch-konservativen, ländlichen Umfeld des Bregenzerwaldes, in dem linke Parteien kaum Fuß fassen konnten, spielte der Frauentag auch ab den 1980er Jahren keine Rolle. Die wichtigste
Frauenorganisation des Bregenzerwaldes ist seit der Nachkriegszeit die in einzelnen Ortsgruppen organisierte Österreichische Frauenbewegung (ÖFB), eine Teilorganisation der ÖVP. Sie ist in den meisten der 24 Gemeinden des Bregenzerwaldes aktiv. Es ist eine Ausnahme, dass deren Bezauer Obfrau, die heutige Nationalratsabgeordnete Anna Franz, 1996 als Gemeindevertreterin anlässlich des Internationalen Frauentags zu einem Informationsabend ins Gemeindeamt einlud.
In Kooperation mit dem Bregenzerwaldarchiv geht das Frauenmuseum Hittisau der Geschichte der Frauenorganisationen im Bregenzerwald nach. Wichtige Akteurinnen der Österreichischen Frauenbewegung (ÖFB), der Katholischen Frauenbewegung (KFB) sowie des Frauennetzwerkes kommen zu Wort. Analysiert werden auch die Lebenssituation der Frauen in der Region, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Kindergartensituation. Ebenso wird die Rolle von Bregenzerwälder Frauen in der Gemeinde- und Landespolitik thematisiert.

Kuratorinnen: Maria Mesner, Johanna Zechner, Heidi Niederkofler
Kuratorin Vorarlberg: Birgit Johler
Kuratorin Bregenzerwald: Katrin Netter

Künstlerische Konzeption und grafische Gestaltung: Gangart