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EUROPÄERINNEN. Starke Frauen im Portrait. Ein Fotoprojekt von Bettina Flitner

EUROPÄERINNEN. Starke Frauen im Portrait. Ein Fotoprojekt von Bettina Flitner

mit Texten von Alice Schwarzer
Ayaan Hirsi Ali, © Bettina Flitner

26. Mai bis 27. Oktober 2013

Drei Jahre lang ist die Fotografin Bettina Flitner kreuz und quer durch Europa gereist, um „große Europäerinnen, die unseren Kontinent geprägt haben“ zu fotografieren: Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, Schriftstellerinnen und Forscherinnen, Politikerinnen und Menschenrechtlerinnen. Frauen, die in ihrem Land und darüber hinaus Herausragendes geleistet haben. „Sie geben den Ton an, wie die englische Dirigentin Sian Edwards. Sie setzen Männer schachmatt, wie die Ungarin Judit Polgar, die beste Schachspielerin der Welt. Sie greifen nicht nur nach den Sternen, sondern  fliegen gleich selber hin, wie die französische Astronautin Claudie Haigneré,“ so Flitner.

Bettina Flitner traf in Österreich die kürzlich verstorbene Schriftstellerin und Künstlerin Ceija Stojka ebenso wie Marlene Streeruwitz, Elfriede Jelinek oder Maria Lassnig. In Helsinki begegnete sie der Kaurismäki-Schauspielerin Kati Outinen; sie traf die polnische Künstlerin Magdalena Abakanowicz in ihrem Atelier in Warschau; sie beobachtete Pina Bausch in ihrem Proberaum in Wuppertal und begegnete Marion Gräfin Dönhoff kurz vor deren Tod in ihrem Haus in Hamburg. Sie war bei der österreichischen Komponistin Olga Neuwirth in Berlin. Und auch die mit dem Tode bedrohte niederländische Politikerin Ayaan Hirsi Ali ließ sich von Bettina Flitner unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen fotografieren. „Diese Jahre waren,“ sagt Bettina Flitner „wirklich ein großes Abenteuer für mich.“


Die Kurzbiographien dieser bedeutenden Frauen schrieb Alice Schwarzer.


Die Porträtierten fängt Bettina Flitner einmal schwarz-weiß und ganz nah ein. Oder sie dokumentiert sie in einer Umgebung, die Wesen und Persönlichkeit besonders stark zum Ausdruck bringt. Bettina Flitner geht keine falschen Kompromisse ein. Sie spielt mit Kontrasten und Ambivalenzen. Ihre Bilder sind Dokumente komplexer Persönlichkeiten -  leicht, nachdenklich, energisch, selbstbewusst. Sie erzählen gleichzeitig europäische Geschichte. So wie Ceija Stoja Zeitzeugin eines grausamen, totalitären Systems war, steht Assia Djebar für die Kolonial- und Migrationsgeschichte Europas oder Claudie Haigneré für die Eroberung männerdominierter Bereiche wie jener der Raumfahrt.


Bettina Flitners Name gilt schon seit langem als ein Markenzeichen für eigenwillige Foto-Konzepte, die oftmals einen dokumentarischen Charakter haben. So hat sie ganz persönliche Geschichten von rechtsradikalen Jugendlichen dokumentiert, und damit das entlarvt, was Hannah Arendt bereits vor Jahrzehnten "die Banalität des Bösen" nannte.
Sie zeigt Menschen wie du und ich, die Feindbilder projizieren oder im Sextourismus ihr Glück suchen. Immer sind es Dokumentationen, die eine Innenschau, eine neue Perspektive provozieren und kritisieren.


Bettina Flitner wurde an der Film- und Fernsehakademie Berlin ausgebildet und arbeitet seit 1986 als freiberufliche Fotografin und Filmemacherin.
Sie hat zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen realisiert, so z.B. am Suermondt Ludwig Museum in Aachen, am Museum of Contemporary Art in Antwerpen, am Museum für Kommunikation in Berlin und Frankfurt, am Haus der Geschichte in Bonn, am Museum of Contemporary Art in Taipeh oder beim Steirischen Herbst in Graz.
Für ihre Arbeit hat sie zahlreiche Preise erhalten, darunter den Deutschen Preis für politische Fotografie und den Fotopreis der Michael Horbach Stiftung für gesellschaftlich und sozial engagierte KünstlerInnen.  


EUROPÄERINNEN IN DER AUSSTELLUNG

Magdalena Abakanowicz | Chantal Akerman
Swetlana Alexijewitsch | Élisabeth Badinter | Letizia Battaglia
Pina Bausch | Simone de Beauvoir | Franziska Becker
Ilda Bocassini | Gro Harlem Brundtland | Christa de Carouge
Emilia Casas Baamonde | Teresa Cordopatri | Assia Djebar
Marion Gräfin Dönhoff | Ruth Dreifuss | Sian Edwards
Inge Feltrinelli | Miep Gies | Marleen Gorris | Benoîte Groult
Claudie Haigneré | Tarja Halonen | Agnes Heller | Ayaan Hirsi Ali 
Gardi Hutter I Elfriede Jelinek | Eva Joly | Lidia Jorge
Irene Khan | Katarzyna Kozyra | Marusa Krese | Maria Lassnig
Jutta Limbach | Carmen Linares | Léa Linster | Mariza
Liza Marklund | Angela Merkel | Margarete Mitscherlich
Irmtraud Morgner | Herta Müller | Olga Neuwirth
Christine Nüsslein-Volhard | Kati Outinen | Judit Polgar
Franka Potente | Ruth Rendell | Anita Roddick | Alice Schwarzer
Irene Schweizer | Ceija Stojka | Marlene Streeruwitz
Tatjana Tolstaja | Simone Veil | Laure Wyss.

FILME IN DER AUSSTELLUNG

Unter den Brettern hellgrunes Gras
Ein Film über Ceija Stojka. Regie und Drehbuch: Karin Berger,
A 2005, 52 min., dt. OF

“Wenn es geregnet hat und der Boden feucht
 war, konnte man graben. Tiefer unten wurde
die Erde brauner, schwärzer und ein bisschen
speckig. Und die Erde war – wahrscheinlich
durch den Wald – würzig.”    Ceija Stojka

Ceija Stojka hat überlebt. Sie war als Kind in den Vernichtungslagern der Nazis. In Auschwitz und
Ravensbrück. Und in Bergen-Belsen, wo sie und ihre Mutter von den Alliierten befreit wurden. Der Film ist das Dokument einer Begegnung: ein fast zur Gänze „gesprochener“ Film, in raue, intensive Bilder gefasst, mit wenigen Mitteln strukturiert zu einer kompakten filmischen Erzählung.

Die Frauen vom Berg Chenoua

Ein Film von Assia Djebar, Algerien 1977, 115 min., fr. mit engl. UT

„Ich schreibe also doch auf Französisch, in der Sprache des ehemaligen Kolonisators, die jedoch […] zur Sprache meines Denkens geworden ist, während meine Sprache der Liebe, des Leidens und auch des Gebets (manchmal bete ich) das Arabische, meine Muttersprache, ist.“     Assia Djebar

Fünfzehn Jahre nach dem Ende des Algerienkrieges erzählt Djebar die Geschichte ihres Landes aus der Sicht von Frauen. 1979 erhielt Assia Djebar den Preis der internationalen Kritik auf der Biennale von Venedig.

Maria Lassnig Kantate
Ein Film von Maria Lassnig und Hubert Silecki,  A 1992, 8 min., dt. OF

„Die Welt und die Leute in ihren tragikomischen Verwirrungen, Vorurteilen und Aberglauben gaben mir Stoff, mit dem Finger darauf zu zeigen. Mit Humor kann man Unvollkommenheit und Schmerz überwinden.“   Maria Lassnig

Im Stil einer Bänkelsängerin trägt Maria Lassnig in 14 Strophen ihren Lebensrückblick vor, während im Hintergrund selbst gezeichnete Schauergeschichten ablaufen: „Es ist die Kunst, jaja, die macht mich immer jünger, sie macht den Geist erst hungrig und dann satt!“


Ausstellungsdauer
26. Mai 2013 bis 27. Oktober 2013


Eröffnung
Sonntag, 26. Mai 2013, 10:30 Uhr


Öffnungszeiten
DO 15-18 Uhr
FR, SA und SO 10-12 und 14-17 Uhr


Eintritt
Euro 5.-
ermäßigt: Euro 4.-


Führungen
Euro 8.- pro Person (inkl. Eintritt)
Anmeldung: fuehrungen@frauenmuseum.at
Gertrud Faißt +43 (0)664 88433169

Öffentliche Führungen
jeweils am Montag um 18 Uhr
EUR 8,-- pro Person (inkl. Eintritt)
Keine Anmeldung erforderlich!


Workshops für Kinder und Schulen
nach Vereinbarung
Information und Anmeldung: kulturvermittlung@frauenmuseum.at
Ida Bals +43 (0)664 4355456