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Veranstaltungsarchiv

Der Islam in der zeitgenössischen Literatur muslimischer Schriftstellerinnen

Symposium 18.-21. August 2015

L’Islam dans l’ecriture feminine contemporaine
Islam in contemporary women’s literature


Ein Projekt der Task Force Dialog der Kulturen des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres und des Frauenmuseum Hittisau unter dem Ehrenschutz von Mag. Markus Wallner, Landeshauptmann von Vorarlberg, in Kooperation mit okay.zusammenleben sowie der Koordinationsstelle für Integrationsangelegenheiten des Landes Vorarlberg.


Unter dem Motto "EINTAUCHEN – IDENTIFIZIEREN – VERSTEHEN" findet im Frauenmuseum Hittisau ein Symposium statt, das ganz im Zeichen der zeitgenössischen Literatur muslimischer Schriftstellerinnen steht.

Für Literaturbegeisterte bietet sich die einmalige Gelegenheit, fünf bedeutsame muslimische Schriftstellerinnen aus aller Welt persönlich kennenzulernen. In ihren Romanen liefern sie intime Eindrücke aus dem Leben von muslimischen Frauen und deren Blick auf das Leben als solches, auf die Welt, in der wir leben, auf Liebe, Familie, Trauer, Vergebung und Spiritualität.

Internationale Autorinnen werden gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Islamexpertinnen sowie der interessierten Öffentlichkeit in einen Dialog über ihr Werk und ihre persönlichen Zugänge zu Religion und Spiritualität eintreten und damit ein differenziertes Bild auf die Lebenswelt muslimischer Frauen, auf den Islam, und auf die interkulturellen und interreligiösen Beziehungen, die uns verbinden, werfen.

Die Task Force Dialog der Kulturen des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres  und das Frauenmuseum Hittisau laden von 18. bis 21. August 2015 zum Literatursymposium im Bregenzerwald. Dem Publikum wird nicht nur ein dichtes Programm geboten, sondern auch die Möglichkeit, mit Autorinnen, Expertinnen und Organisatorinnen ins Gespräch zu kommen.

Das Literatursymposium "Der Islam in der zeitgenössischen Literatur muslimischer Schriftstellerinnen" hat zwei Anliegen:

Einerseits soll es zu einem interreligiösen Dialog über Frauenkulturu und Religion kommen. Das Symposium zeigt die Wege und Möglichkeiten, mit dem Islam und über den Islam auch im Alltag und über Alltagsthemen ins Gespräch zu kommen. Bei der Auswahl der Literatinnen wurde einerseits auf geografische Ausgewogenheit, andererseits auf die Präsenz und Aufbereitung religiöser Bezüge in ihrer Literatur geachtet.

Andererseits soll die literarische Interpretation des Islam aus weiblicher Perspektive mithelfen, die Lebendigkeit der islamischen Kultur gerade auch im Hinblick auf die Beschreibung religiöser Erfahrungen aufzuzeigen. Das Symposium betont, dass muslimische Schriftstellerinnen (genau wie ihre männlichen Kollegen) die Vielfalt der spirituellen Erfahrungswelt beschreiben und sich damit deutlich gegen die Vorstellung aussprechen, dass es eine Deutungshochheit über den Islam gibt. Damit werden die anmaßenden Behauptungen jeglicher extremistischen Organisationen abgelehnt.

PROGRAMM

Eintritt frei!
Alle Veranstaltungen finden im Frauenmuseum Hittisau statt. Die Symposiumssprachen sind Deutsch, Englisch und Französich. Die Beiträge werden entweder simultan oder konsekutiv übersetzt.

Dienstag, 18. August 2015, 20 Uhr

Eröffnung mit Filmabend (in memoriam Assia Djebar)
Buffet

Begrüßung und Einführung:
Stefania Pitscheider Soraperra
, Direktorin des Frauenmuseum Hittisau
Eröffnung:
Harald Sonderegger,
Landtagpräsident des Landes Vorarlberg
Videobotschaft:
BM Sebastian Kurz, Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres
Dank:
Aloisia Wörgetter, Leiterin der Task Force Dialog der Kulturen

Film
Assia Djebar
Die Frauen vom Berg Chenoua
(Originaltitel: La nouba des femmes du Mont Chenoua)

Algerien, 1978, 115 Minuten, deutsche Fassung
Empfang im Anschluss (unter dem Ehrenschutz von Landeshauptmann Markus Wallner)

Mittwoch, 19. August 2015

9-12 Uhr
Nadia Sebkhi (Algerien)
im Gespräch mit Roswitha Geyss und Carla Amina Baghajati

14-17 Uhr
Salwa Bakr (Ägypten)
im Gespräch mit Christa Knellwolf King und Carla Amina Baghajati

19-21 Uhr
Buchpräsentation
Carla Amina Baghajati
Muslimin sein: 25 Fragen, 25 Orientierungen
Tyrolia Verlag, 2015
                     

Donnerstag, 20. August 2015
9-12 Uhr
Okky Madasari (Indonesien) 
im Gespräch mit Sofia Reich und Ishraga Mustafa

14-17 Uhr

Rasha al Ameer (Libanon)
im Gespräch mit Katia Ghosn und Mabrouka Rayachi

Freitag, 21. August 2015
9-12 Uhr 
Seher Cakir (Österreich) 
im Gespräch mit Holger Englerth und Eva Grabherr


DIE AUTORINNEN

Nadia Sebkhi
Algerien

Nadia Sebkhi hat mit ihrem Zugang zu Literatur den Anstoß gegeben. An ihrem Projekt, einen Folgeroman zu Assia Djebars „Loin de Medine“ zu schreiben, wurde das Konzept des Symposiums entwickelt.
Sebkhis Zugang zur Religion – in diesem Fall zum Islam –, der deutlich geprägt ist von der „nationalen Katastrophe“ der 90er Jahre in Algerien ist ein verständiger, selbstbewusster, liebevoller und konsequent gewaltfreier. Darüber hinaus gelingt es Nadia Sebkhi, über Religion zu sprechen, auch zu schreiben. Sie ermöglicht daher das Gespräch über Religion und Islam. Sprachlosigkeit fördert Radikalismen, Nadia Sebkhi ermöglicht stattdessen den Dialog.
Nadia Sebkhi ist Herausgeberin der Literaturzeitschrift L'ivrEscQ.

nadia sebkhiNadia Sebkhi

Salwa Bakr
Ägypten

Die Autorin Salwa Bakr wurde 1949 in Kairo geboren und gilt als eine der prominentesten und angesehensten ägyptischen Schriftstellerinnen. Sie ist eine der wenigen arabischen Autorinnen, die auch in europäische Sprachen übersetzt wird, darunter Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch. Sie studierte Betriebswirtschaft und Theaterkritik und arbeitete in der Theater- und Filmbranche als Kritikerin auf Zypern und im Libanon. Die Kurzgeschichtensammlung The Wiles of Men (1992) gilt neben The Golden Chariot (1995) und The Man from Bashmour (2007) zu ihren bekanntesten Werken.
Ihre Themen sind die Menschen am Rande der ägyptischen Gesellschaft und unter diesen sind es insbesondere Frauen, denen sie ihre Aufmerksamkeit schenkt. Dabei beschreibt sie nicht unterdrückte Frauen in einer muslimischen Männergesellschaft, sondern tätige Frauen, die an der Verbesserung ihrer Umstände arbeiten.

Salwa Bakr Salwa Bakr

Okky Madasari
Indonesien

Die 28jähirge Okky Madasari ist als Autorin tätig und leitet darüber hinaus auch das ASEAN Literaturfestival. Sie schrieb bereits als Schülerin für die Schülerzeitung und arbeitete nach ihren Abschlüssen in Politikwissenschaften und Soziologie zunächst als Journalistin. Die Schriftstellerin hat bislang vier Bücher veröffentlicht, von denen Maryam 2012 mit dem wichtigsten Literaturpreis Indonesiens, dem Khatulistiwa Literaturpreis, ausgezeichnet wurde. Im Mittelpunkt des Romans steht die Diskriminierung der Ahmadyah-Anhänger in Indonesien; er erschien auf Englisch unter dem Titel “The Outcast“. Als Schriftstellerin versucht sie, aktuelle gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen und über die Literatur für Menschlichkeit zu kämpfen: „I believe that literature, novels, should be able to fight against injustice; to be able to articulate human values; to be able to become a voice for those people who became victims; to be able to touch the readers’ hearts; so as to bring about change [...].“ (http://okkymadasari.net/)

okky madasari Okky Madasari
 
Rasha al Ameer

Libanon

Die libanesische Autorin Rasha al Ameer ist als Autorin, Verlegerin sowie Kulturkritikerin aktiv. Nach ihrem Studium in Paris kehrte sie nach Libanon zurück, wo sie 1990 den unabhängigen Verlag Dar-al Jadeed mitbegründete.
Ameers Roman Yawm al-din (Übersetzungen: Judgement Day bzw. Le Dernier Jour) schildert die außergewöhnliche Geschichte eines Imams, der sich in eine gebildete, unabhängige Frau verliebt, mit der er gemeinsam über den großen arabischen Dichter al-Mutanabbi forscht. Rasha al Ameer wirft in Judgement Day einerseits ganz aktuelle Fragen zum Islam auf, andererseits präsentiert die Autorin die Rolle eines Iman auf unglaublich authentische Art und Weise, indem sie die gesamte Geschichte aus seiner Perspektive schildert. Der Roman berührt damit aktuelle Debatten, während gleichzeitig die transformative und vermenschlichende Kraft  der Liebe zwischen Mann und Frau präsentiert wird.

Rasha el Ameer Rasha al Ameer

Seher Cakir
Österreich

Seher Cakir wurde 1971 in Istanbul geboren. Die Lyrikerin und Erzählerin lebt seit 1983 in Wien und veröffentlichte ihre ersten lyrischen Texte in der zweisprachigen (deutsch/türkisch) Zeitschrift Öneri. Darüber hinaus wurden bisweilen zwei Kurzgeschichtenbände herausgebracht: Zitronenkuchen für die 56. Frau (2009) und Ich bin das Festland (2012). Seher Cakir war 2005 Preisträgerin des Literaturwettbewerbes “Schreiben zwischen den Kulturen” sowie Stipendiatin der Wiener Wortstätten 2007/2008 und erhielt 2008/2009 das österreichische Staatsstipendium für Literatur.

Seher Cakir (Foto: David Wietstruk) Seher Cakir (Foto: David Wietstruk)

Carla Amina Baghajati
Österreich

Carla Amina Baghajati ist Medienreferentin, Sprecherin und Frauenbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. In ihrem Buch „Muslimin sein“ greift sie Alltagsfragen auf, die die religiöse Praxix, die Geschlechterrollen, Ehe, Familie und auch rechtliche Dimensionen betreffen. Dabei beantwortet sie auch brisante Fragen. Baghajati hinterfragt Klischees und Vorurteile und tritt ein für eine zeitgemäße Auslegung der muslimischen Quellen. Dafür liefert sie viele Denkanstöße.

Baghajati ist 1989 zum Islam übergetreten. Sie ist mit einem Syrer verheiratet und hat vier Kinder. Mit ihrem Buch hilft sie auch Nicht-MuslimInnen, den Islam besser zu verstehen.

Carla Amina Baghajati Carla Amina Baghajati

DIE EXPERTiNNEN

Volker Englerth
Studium der Geschichte und der deutschen Philologie, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Forschungsprojekte „Literatur on the move“ und „Literaturzeitschriften in Österreich 1945-1990“

Roswitha Geyss
Französisch- und Russischstudium. Lehre und Forschung mit Schwerpunkt auf der weiblichen algerischen Literatur französischer Sprache („Le cas d’ Assia Djebar et de Leila Sebbar. Literatische Mehrsprachigkeit und die Frage nach der „doppelten Identität“ in der maghrebinischen Literatur französischer Sprache“)

Katia Ghosn
Lehr- und Forschungsbeauftragte für zeitgenössische arabische Literatur an der Universität Paris 8

Eva Grabherr
Geschäftsführerin von "okay. zusammen leben" (Vorarlberger Projektstelle für Zuwanderung und Integration, Dornbirn), Studium der Geschichte und Judaistik, Aufbaudirektorin des Jüdischen Museum Hohenems

Christa Knellwolf King
Universitätsprofessorin für englische Philologie an der Sultan Qaboos University (Oman), Ehrenprofessur an der University of Queensland, Gastprofessur an der Universität Wien

Anmeldung und Infos:
kontakt@frauenmuseum.at
+43 5513 6209-30

Eintritt frei!
Veranstaltungen können auch einzeln besucht werden (Bitte bei Anmeldung bekanntgeben).

Infos zu Übernachtungsmöglichkeiten:
tourismus@hittisau.at
+43 5513 6209-50
www.hittisau.at