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Das Frauenmuseum Hittisau erhält den Österreichischen Museumspreis 2017.

Es handelt sich dabei um die höchste staatliche Auszeichnung für Museen in Österreich. Der Preis ist mit Euro 20.000 dotiert.

Das Team des Frauenmuseum Hittisau in der Ausstellung "Maasai Baumeisterinnen aus Ololosokwan", 2017
Das Team des Frauenmuseum Hittisau in der Ausstellung "Maasai Baumeisterinnen aus Ololosokwan", 2017
v.l.n.r.: Marion Maier, Christiane Eberle, Helga Rädler, Ida Bals, Stefania Pitscheider Soraperra, Gertrud Faißt, Andrea Schwarzmann, Sabine Heinzle, Renate Nußbaumer, Daniela Hörburger, Wilma Bilgeri, Marianna Nenning, Stephanie Engstler, Irma Eberle, Martina Winder, Sara Plötzeneder. Nicht auf dem Bild: Bernadette Fritz, Maria Hauser, Yara Salem, Danielle Strahm-Fend, Ronja Svaneborg (Foto: Ines Agostinelli)


 
Die Ernennung hat Kulturminister Thomas Drozda bekannt gegeben. Verliehen wird der Preis auf Empfehlung des Museumsbeirats.

Diesem gehören folgende Personen an:
Bettina Habsburg-Lothringen (Leiterin der Museumsakademie des Universalmuseums Joanneum in Graz),
Peter Keller (Generaldirektor von ICOM),
Helmut Lackner
(stv. Direktor Technisches Museum Wien),
Christina Leitner
(fachliche Leiterin Textile Kultur Haslach),
Doris Prenn
(prenn_punkt, büro für kommunikation und gestaltung) und
Gabriele Rath
(Rath & Winkler. Projekte für Museum und Bildung, Innsbruck).
 
In der Begründung des Beirats heißt es: „Frauenmuseen sind nicht bequem. In der Stadt ist das Widerspenstige eine Qualität des Urbanen. In ländlichen Regionen braucht es dafür einerseits den Mut zur direkten Konfrontation, andererseits ein integratives Augenmaß, um Veränderungen auch tatsächlich anzustoßen. Das Spezialmuseum, nunmehr bereits 17 Jahre alt, hat den Beweis erbracht, dass sich die kritische Auseinandersetzung zu den weiterhin wichtig bleibenden gesellschaftlichen Fragestellungen in einer Region wie dem Bregenzer-wald gewinnbringend führen lässt – insofern ist es beispielgebend für Museen im ländlichen Raum generell.“
Und weiter: „In außerordentlich kluger Programmierung gelingt es dem Museum in ebenso unaufgeregter wie beständiger Weise, Frauengeschichte und Frauenkultur ins Zentrum zu stellen.“ „Erstaunlich weitblickend“ habe das Museum zum Beispiel schon 2005 eine Ausstellung mit dem Titel Kopftuch Kulturen gezeigt.
 
Der Beirat weist auf den hohen Stellenwert der Vermittlung, der sich in der Anzahl der beschäftigten Kulturvermittlerinnen wiederspiegle, sowie auf die Bedeutung des Frauenmuseum Hittisau als Kulturort hin: „In einer Zeit, in der zahllose Frauenkultureinrichtungen unserer GeSellschaft abhanden kommen, ist diese Einrichtung eine umso erfreulichere und würdigenswerte Tatsache!“
 
Ebenso würdigt der Museumsbeirat die Tatsache, dass alle im Frauenmuseum Hittisau beschäftigten Frauen – es sind zwanzig Frauen zwischen 16 und 87 Jahre alt – für ihre Tätigkeit bezahlt werden: „Sich konsequent und glaubwürdig mit der Frage des Stellenwerts von Frauen in unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen, bedeutet, auch ihre Arbeitsleistungen entsprechend zu honorieren. Stefania Pitscheider Soraperra, die Direktorin des Frauenmuseums, hat das Museum gemeinsam mit der Gemeinde Hittisau auch zu einem klaren arbeitsmarktpolitischen Statement gemacht. Auch in dieser Hinsicht ist das Frauenmuseum beispielhaft.“
 
„Nach 17 Jahren sind wir dabei, unser Museum in eine neue, unabhängige Rechtform zu überführen. Dass wir gerade jetzt mit dem Österreichischen Museumspreis ausgezeichnet werden, ehrt uns, bestätigt uns, motiviert uns“, so Direktorin Stefania Pitscheider Soraperra. „Wir benötigen dringend eine fixe Kulturvermittlungsstelle. Dieser Preis ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“
 

Das Frauenmuseum Hittisau

Das Frauenmuseum Hittisau ist das erste und einzige Frauenmuseum Österreichs. Es ist außerdem europaweit das einzige Frauenmuseum im ländlichen Raum. Es wurde im Jahr 2000 gegründet und zeigt zwei bis drei Ausstellungen jährlich zu frauenrelevanten Themen. Das Frauenmuseum Hittisau versteht sich als Ort des Auseinandersetzung, der Diskussion, der Reibung. Neben den Ausstellungen veranstaltet es ein dichtes Programm an Vorträgen, Komponistinnenkonzerten, Workshops, Symposien, Schreibwerkstätten, Lesungen.
Die Auseinandersetzung mit Geschichte und Kultur aus Frauenperspektive vertieft oder erweitert weibliche Identitäten, regt Reflexionsprozesse an und schärft das Bewusstsein von Frauen und Männern für die historische und gesellschaftliche Bedingtheit von Geschlechterrollen und deren Gestaltbarkeit.
Eine große Besonderheit ist die Art der persönlichen Vermittlung. Zwanzig Frauen aus der Region, von höchst unterschiedlichem sozialen Hintergrund und verschiedenen Alters (zwischen 16 und 87 Jahre) setzen sich monatelang – begleitet von Fachleuten und Expert_innen – intensiv mit den Ausstellungsthemen auseinanderund erarbeiten ihren persönlichen Blickwinkel, um dann mit Museumsbesucher_innen in eine authentische Kommunikation treten zu können. Dieses Konzept und seine Umsetzung zieht ein internationales Publikum ebenso wie die einheimische Bevölkerung.
Das Frauenmuseum Hittisau ist Gründungsmitglied der Interantionalen Vereinigung der Frauenmuseen IAWM (iawm.international), deren Patin die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi ist.